#creative: Mehr lesen, besser schreiben

Stilmittel aus Lyrik und Literatur für professionelles Schreiben

Meist kommt erst die Leidenschaft für das Lesen, dann die Passion für das Schreiben. Nicht nur Autoren, auch professionelle Texter können sich den einen oder anderen Trick aus der Literatur abschauen.

Sprachkunst in der Lyrik

Vor einiger Zeit gelangte ich auf der Suche nach guten Headlines auf den Artikel „Wer reitet so spät durch Bit und Byte?“ über Computerprogramme, die nicht nur automatisierte Texte, sondern sogar Lyrik produzieren. Auch wenn die Ergebnisse noch nicht überzeugend waren, gefiel mir die Idee. Überspitzt könnte man fragen: Was ist Lyrik anderes, als codierte Sprache? Ästhetik generell arbeitet mit dem Wechsel von Wiederholungen, Mustern und gezielten Regelbrüchen. Diese Codes können und sollten wir uns auch in der kommerziellen Textproduktion zunutze machen. Dabei gehen wir wie der Algorithmus vor: sammeln, analysieren und auf unsere Texte anwenden.

Prägnanz

Lyrik zeichnet sich besonders durch die sprachliche Dichte aus. Jedes Wort ist bewusst gewählt und auf verschiedenen Ebenen mit Bedeutung aufgeladen: Bildhafte Sprache regt den visuellen, Klangfiguren die den auditiven Sinn an, Metaphern und andere Stilmittel verändern Bedeutungszusammenhänge. Keine Sorge, ich möchte keine Gedichtanalyse-Traumata aus dem Deutschunterricht wachrufen. Doch diese aufgeladene Sprache benötigen wir ebenfalls für wichtige Textelemente wie Überschriften und CTAs.

Struktur

Die Deutsche Sprache folgt bestimmten Regeln: Sie nutzt das lateinische Alphabet sowie drei Umlaute, beruft sich auf die deutsche Rechtschreibung und die deutsche Grammatik, die Lautlehre, Formenlehre, Wortbildung und Satzbau regelt. Rhetorische Stilmittel bedienen sich dieser Konventionen, indem sie beispielsweise Rhythmen erschaffen, mit Regeln und häufigen Gebrauchsmustern brechen oder Eigenarten von Sonderformen wie Dialekten, Amtsdeutsch und ähnlichen in einen anderen Kontext setzen. Wir können genau diese Methoden nutzen, um etwa informative Texte durch Regelmäßigkeit lesbarer zu gestalten oder durch bewusste Stilbrüche aufzulockern. Auch ein professionell gesetztes Layout ist in seiner Intention dem Gedicht sehr nah.

Einige Stilmittel sind besonders beliebt in der Unternehmenskommunikation und in der Werbung.

Werbesprech

  • Personifikation: Sie reduziert komplexe Sachverhalte oder Produkte auf greifbare und vor allem nahbare Personen, die mit bestimmten Eigenschaften und Emotionen assoziiert werden. Ein sehr bekanntes Beispiel ist Meister Proper
  • Klangfiguren: Klingende Stilmittel sorgen für bessere Einprägsamkeit. Aus gutem Grund unvergessen: Alliterationen wie „Lidl lohnt sich“, Reime wie „Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso“ oder „Willst du viel, spül mit Pril“, Onomatopoesie wie bei „BlackundDeckerBlackundDeckerBlackundDecker“, Parallelismus wie „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ und Anaphern wie „Gelb. Gut. Günstig“ oder „Extra stark. Extra frisch“.
  • Weitere Rhetorische Mittel: Vergleiche wie „Schmeckt wie hausgemacht“, Metaphern wie „Red Bull verleiht Flügel“, Hyperbeln und Superlative wie „Die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt“ oder „längste Praline der Welt“, Neologismen wie „porentief rein“ und Ellipsen wie „Heute ein König“

Spannungsaufbau in der Literatur

Erfolgreiche Romane sind so spannend, dass wir sie nicht aus der Hand legen möchten. Mit diesen Gestaltungsprinzipien gelingt das auch bei kommerziellen Texten.

  • Spannungsbogen: Das Steigen und Fallen der Spannung, wie etwa bei Schillers Maria Stuart. Der erste Akt dient der Einführung, es folgt im zweiten Akt gibt es eine Spannungssteigerung, die im dritten Akt den Höhepunkt erreicht. Der vierte Akt verzögert die Handlung, um erneut Spannung aufzubauen, bevor im fünften Akt die Katastrophe (Tragödie) oder das Happy End (Komödie) folgt. Natürlich können wir diese Struktur nicht ohne Weiteres übernehmen. Doch vor allem längere Texte sollten einer festgelegten Dramaturgie folgen, die sich nach Medium, Publikum und Kontext richtet.
  • Plots: Je nach Quelle gibt es eine variierende Zahl grundlegender Plots, also Meta-Handlungen. Die sieben Basic Plots sind 1. Die Überwindung des Monsters, 2. Vom Tellerwäscher zum Millionär, 3. Das Streben/die Mission, 4. Reise und Rückkehr, 5. Die Komödie, 6. Die Tragödie und 7. Die Wiedergeburt. Wahlweise kommen noch 8. Das Mysterium und 9. Die Rebellion hinzu, andere beschreiben 29 oder 36 klassische Plots. Fest steht: Es gibt funktionierende Muster, an denen wir uns bedienen können. Nicht nur einzelne Texte, sogar ganze Kommunikationsstrategien können darauf basieren.
  • Erzähltempo: Ereignisse, Konflikte und Dialoge machen Tempo, lange Beschreibungen und komplexe Gedanken verlangsamen das Erzählte. Das gilt im Roman ebenso wie im Interview, der Reportage oder jedem anderen Text.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.