#creative: Bessere Texte durch Schreibdenken

Bessere Texte durch Schreibdenken

Susan Sontags berühmte Aussage „Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke“ dient nicht nur als Titel für ihre gesammelten Tagebücher 1964-1980. Sie veranschaulicht ebenfalls wunderbar den Grundgedanken der Schreibdenken-Lernmethode. Ulrike Scheuermann hat dieses schreibdidaktische Konzept aus verschiedenen Ansätzen des kreativen Schreibens und Selbstcoachings entwickelt, um zentrale professionelle und persönliche Schreibprobleme zu lösen.

Grundlage dieser Methode ist das Verständnis, dass es sich beim Schreiben um einen kontinuierlichen Prozess mit den folgenden Stationen handelt: 1. Einstimmen, 2. Ideen entwickeln, 3. Strukturieren, 4. Rohtexten, 5. Reflektieren, 6. Überarbeiten, 7. Veröffentlichen. Abhängig von der jeweiligen Persönlichkeit unterscheidet Scheuer verschiedene Schreibtypen, deren Namen für sich sprechen: den Planer, den Drauflosschreiber, den Versionenschreiber und den Patchworkschreiber. Je nach Typ und Schreibsituation können verschiedene Probleme bei der Gestaltung des Schreibprozesses auftreten, für deren Lösung sich das Schreibdenken eigne.

Schreibend Probleme lösen

  • Aufschieben von Schreibaufgaben: Schreibstrategien sollen helfen, psychologische, soziale oder situative Hintergründe von Blockaden zu ergründen.
  • Unproduktiver Schreibprozess: Ob zu viel oder zu wenig Struktur – die Methode verdeutliche den prozesshaften Charakter des Schreibens und helfe, das eigene Vorgehen zu reflektieren.
  • Selbstzensur: Der Selbstzensur beim Planen und Schreiben anspruchsvoller Texte setzt das Konzept spontanes Drauflosschreiben entgegen.
  • Copy and Paste: Vor allem im wissenschaftlichen oder fachlichen Kontext fördere die Methode das Formulieren eigener Gedanken.
  • Unstrukturierte Texte: Mithilfe des Schreibdenkens sollen auch komplexe Themen auf der Mikroebene besser strukturiert werden können.
  • Fehlende Routine: Übung macht den Meister, deshalb rät Scheuermann zu regelmäßiger Schreibroutine durch Schreibdenken.
  • Fehlender Austausch: An der Hochschule schreibt jeder für sich allein, meist fokussiert auf formale Kriterien. Schreibdenken könne als Zwischenschritt mit kontinuierlichem Feedback auf Peer-Ebene genutzt werden.
  • Überwiegende Gruppenarbeit: Wo Lernen hauptsächlich in Gruppen stattfindet, schaffe Schreibdenken Selbstlernaktivitäten.

Kommen wir zum wichtigsten Teil: Wie funktioniert Schreibdenken nun genau? Ich habe Scheuermanns bereits sehr praxisnahe Ausführungen noch einmal vereinfacht:

Schreibdenken Schritt für Schritt

  1. Unzensiert und assoziativ: Schreibe jeden Gedanken und jedes Wort auf, das dir in den Sinn kommt. Widerstehe dem Impuls, es zu bewerten, etwas wegzulassen oder zu streichen.
  2. Privat: Schreibe nicht für spätere Leser, sondern nur für dich. Mache dir ganz bewusst, dass niemand über diesen Text urteilen wird.
  3. Schnell: Je schneller du schreibst, desto geringer ist das Risiko, dich selbst zu zensieren.
  4. Kurz: Scheuer rät zu kurzem, häufigem Schreiben. Ideal seien 3-5 Minuten, eine Einheit solle maximal 10 Minuten dauern.
  5. Täglich: Erst durch Wiederholung werde aus Fragmenten ein Gedankenfluss.
  6. Mit Freude: Finde Schreibtechniken, die dir Spaß machen und Ergebnisse liefern, die dir gefallen.
  7. Mit Auswertung: Lese dir deine Texte durch und hebe Wichtiges hervor. Speichere Kernaussagen für später ab.

Zusätzlich stellt Scheuermann einen kleinen Methodenkoffer vor, der Schreibdenktechniken für den privaten und professionellen Kontext beinhaltet.

Schreibdenktechniken

Denkbilder

Durch die Verbindung von sprachlichem und bildhaftem Denken könne ein ganzheitlicher Zugang zu kreativen Projekten entstehen, der Denken, Handeln und Fühlen vereine. Alle Übungen basieren auf einer entspannten Ausgangssituation, in der du mit geschlossenen Augen dein Schreibthema in Gedanken visualisierst. Schritt 1 ist, mithilfe dieser assoziativen Inneren Bilder Inspiration zu finden. Schritt 2 ist, sich noch stärker auf das Thema zu fokussieren, konkrete Eindrücke zu sammeln und in einer Skizze zeichnerisch festzuhalten.

Schreibsprints

Wie bei einem Kurzstreckenlauf zählt hier maximale Geschwindigkeit: So sollen antrainierte Gewohnheiten überwunden, neue Ideen generiert und die Motivation aufgefrischt werden. Ein Wortsprint dauert nur 2 Minuten. Dabei sammelst du vollkommen frei alle Assoziationen zu einem bestimmten Wort und kannst diese auch für weitere Sprints nutzen. Beim Seriensprint schreibst du in etwas 3 Minuten beendest du denselben Satzanfang immer wieder unterschiedlich, so schnell und so oft wie möglich.

Cluster

Ausgehend von einem zentralen Begriff bildest du mehrere zusammenhängende Assoziationsketten. Ein Multicluster beinhaltet mehrere zentrale Begriffe.

Gedanken- und Fokussprint

Während du beim Gedankensprint etwa 6 Minuten alles, was dir in den Sinn kommt, so genau und ungefiltert wie möglich notierst, sammelst du beim Fokussprint alle Gedanken zu einem bestimmten Thema. Anschließend markierst du, was dir wichtig erscheint.

Schreibstaffel

Wenn du etwas mehr Übung hast, reihst du mehrere Fokussprints aneinander. Nach dem ersten Sprint markierst du ein zentrales Thema oder eine Fragestellung, auf die sich der nächste Sprint fokussiert und so weiter.

Denkwege

Während die oben genannten Übungen das freie Schreiben fördern, soll diese das Denken lenken und strukturieren. Visualisiere dein Schreibthema und mögliche Stichworte, Überschriften oder Gliederungspunkte. Wie könnten die Wegweiser auf deinem weiteren Weg aussehen? Notiere anschließend die verschiedenen Wege.

Textpfad

Hier wirst du noch genauer und schaust dir die einzelnen Strukturelemente deines Texts an, notierst sie und bringst sie in eine logische Struktur.

Gedankenlandkarten

Besonders für komplexe Themen eignen sich diese visuellen Gliederungsdarstellungen. Jeder kennt vermutlich die Mindmap und Kartengliederungen mithilfe von Post-its.

Interaktive Techniken wie Inkshedding lasse ich vorerst beiseite.

Ich hoffe, dass dir diese kurzen Übungen helfen, mehr Kreativität in den Arbeitsalltag zu bringen! Für Themen, die mir nicht sehr nah sind nutze ich neben breiter Recherche sehr gerne Schreibsprints.

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